Klimademo und Demokultur in Suedafrika

Heute ist globaler Klimaaktionstag und gleichzeitig der letzte Tag der ersten Woche und der Vorverhandlungen. Die Stimmung hier auf der Konferenz ist eher ruhig, man merkt auf allen Seiten eine grosse Erschoepfung, sogar eine gewisse Niedergeschlagenheit…  bis jetzt scheint es noch keinen Durchbruch bei den Verhandlungen gegeben zu haben, trotzdem betonen alle Verhandlungsparteien immer wieder ihre grosse Bereitschaft zu Einigung und auch die Wichtigkeit einer Verlaengerung der Kyoto Zusagen ist allen bewusst und wird immer wieder betont (unter anderem von uns – siehe unten).

Ausserhalb der Konferenz stellt sich die Lage anders dar. Die Menschen fangen an wuetend zu werden. Insbesondere unter den NGOs (das sind Organisationen der Zivilgesellschaft, die also weder mit der Regierung noch mit Firmen zu tun haben – wie die Pfadfinder z.B.) gibt es viele Menschen direkt aus Suedafrika oder anderen afrikanischen Laendern die sagen, dass bei ihnen schon Auswirkungen des Klimawandels spuerbar sind. Die Leute hier – so wie ja auch viele Menschen ueberall in der Welt wollen verbindliche Beschluesse sehen. Heute morgen war Magdalena auf der grossen Klimademo in Durban – es war sehr beeindruckend.  Seit der Ueberwindung der Apartheid gibt es in Suedafrika eine besondere Demonstrationskultur, die sehr machtvoll und gewaltig auftritt. Die Stimmung auf einer solchen Demo ist ganz anders als man es aus Deutschland kennt. Zuerst faengt es mit sehr emotionalen Reden an, die ohrenbetaeubend laut verstaerkt werden, die in der Rhetorik und im Tonfall sehr aggressiv sind. Ich habe eine enorme Wut wahrgenommen, die da transportiert wurde. Die Menschen sind wuetend ueber die Politker die zu keiner Einigung kommen und wollen dafuer kaempfen dass der Klimawandel gestoppt wird. Vor allem aber auch die Ungerechtigkeit, dass die Menschen unter dem Klimawandel leiden, die ihn nicht verursacht haben, macht die Menschen wuetend. Dann beginnen die Menschen zu stampfen und sich langsam hin und her wogend rhythmisch vorwaerts zu bewegen. Es gibt einen bestimmten Rhythmus dem alle folgen, so dass sich die Menge wie ein grosses Tier einheitlich mit diesem Stampfen vorwaerts bewegt. Das wirkt von aussen sehr bedrohlich und machtvoll. Als sich die Menge dann langsam vorwaerts bewegt und mehr und mehr Parolen in Zulu gerufen werden, bekomme ich das Gefuehl nicht mehr einschaetzen zu koennen was da alles herumgeschrien wird. Weil ich hier in der Stadt und in dieser Kultur fremd bin, weiss ich nicht was passiert wenn die Situation eskaliert, da ich die Stimmung als sehr aggressiv aufgeladen wahrnehme. Deshalb beschliesse ich an diesem Punkt die Demonstration zu verlassen, aber das war auf jeden Fall ein beeindruckendes Erlebnis zu sehen, wie stark und machtvoll eine entschlossen Menschenmenge sein kann!

MarionettenBlick vom Konferenzzentrum aus auf die Demo

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Über dpsgcop17

Magdalena, Lars and Kaddi - we're the German members of the delegation of the World Organisation of Scout Movement to COP17, taking place from Nov, 28th to Dec, 9th this year in Durban. With our colleagues from South African Scout Association we're going to promote our joint annual campagin "Our World - Our Challenge"! Additionally we're aiming to promote scouting in the community of climate protection NGOs and partners.

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