Tag 7: Im Auge des Hurrikans

Der Sonntag ist da, und wir können Euch mal mit ein paar allgemeinen Informationen versorgen. Am Sonntag ruht das ICC nicht komplett, aber es finden keine Meetings der Ausschüsse oder Verhandlungsgruppen statt. Die High-Level Personen kommen langsam an. Viele Limosinen-Konvois, begleitet von Sirenen und Blaulicht, ziehen durch die Straßen von Durban. Man merkt, dass alle Delegierten und Beteiligten noch einmal Luft holen um in die entscheidende Phase einzutreten. Es kann etwas Schlaf nachgeholt, aufgestaute Emails abgearbeitet oder endlich einmal die Umgebung um das Konferenzgebäude erkundet werden. Menschen, von denen man dachte, sie sind in ihrem Anzug eingenäht sind in Zivil unterwegs. Es ist so ruhig man könnte meinen das gerade das Auge des Hurrikans über einen hinweg zieht.

 Reden und Lesen

Die Kommunikation auf einer Weltklimakonferenz ist wirklich sehr speziell. Neuigkeiten kommen natürlich per Email. Programmaktualisierungen werden in einer täglichen Broschüre veröffentlicht. Jeden Morgen marschiert dafür ein Mitglied unserer Delegation zum Dokumentationszentrum und holt für jeweils 2 Personen ein aktuelles Tagesprogramm.

Die Arbeitsergebnisse der Untergremien (SBI, SBSTA, AWG-LCA, AWG-KP) wurden ebenfalls in Papierform ausgehändigt, bevor sie im Internet veröffentlicht werden. Wir versuchen Euch morgen eine Zusammenfassung über den aktuellen Stand zu geben. Quentin und Lars arbeiten sich in der Nacht noch durch die hunderten von Seiten und briefen uns und euch dann morgen.

Innerhalb von YOUNGO wird sehr viel über googlegroups kommuniziert. Jede Arbeitsgruppe hat eine Mailingliste, eine allgemeine Liste gibt es auch. In intensiven Planungsphasen kommen Emails im Viertelstundentakt über diese Liste.

Die offiziellen Gremien

Der Vorstizende des SBI Robert Owen-Jones, früher australischer Pfadfinder

Der Vorstizende des SBI Robert Owen-Jones, früher australischer Pfadfinder

Gesprochen wird natürlich auch sehr viel. Meine Lieblingssätze der ersten Woche: „The designated delegate of XX has indicated that he/she wants to have the floor. Delegate, you have the floor.” Das bedeutet, ein Land möchte seine Stellungnahme abgeben. Diese müssen vorher über eine Kontaktperson angemeldet werden, um auf die Rednerliste zu gelangen. Nachdem diese abgearbeitet ist, sind natürlich auch „spontane“ Meldunge möglich, aber das bedeutet meist, dass eine Vertragspartei nicht gut vorbereitet war.

Viele technischen Details sind für den Außenstehenden auch langatmig bis zu langweilig. Wenn zu Beispiel die Delegierte von Kolumbien eine Eingabe macht, die sich wie folgt anhört: „On behalf of Columbia I would like to suggest that on page 25, paragraph 2, 2nd sentence the 7th word of the proposed text of the Chair that the word „the“ will be replaced by the word “a”. This suggestion is supported by: Albania, Algeria, Angola, Antigua and Barbuda, … (ca. 75 Staaten ausgelassen) …, Venezuela, Vietnam and Zambia.“ Kann es sich doch schon einmal etwas in die Länge ziehen an so einer Sitzung teilzuhaben.

Wie die Kommunikation in den „informal working groups“ läuft, können wir leider nicht berichten, da diese nicht für Beobachterorganisationen offen sind.

Immer wieder gibt es aber die Möglichkeit, vor und nach den Sitzungen (manchmal auch währenddessen), mit Delegierten zu sprechen. Einige Delegationen laden die Beobachterorganisationen sogar zu regelmäßigen Austauschtreffen ein. Die deutsche Delegation tut das leider nicht, soweit wir wissen.

Wir werden in den nächsten Tagen versuchen, näher an diese dran zu kommen.

Interview

Lars ist ja auch schon ein Medienstar inklusive einem live Interview beim englischen Al Jazeera Kanal. Auch Kaddi wurde interviewt – vom eigenen Fernsehkanal des UN-Klimasekretariats. Während der sehr trubeligen Mittagszeit tauchte plötzlich ein Redakteur des Teams vor unserem Stand auf und fragte nach einem oder einer Interviewpartner/in. Da gerade alle in Gesprächen oder unterwegs waren, musste Kaddi mit. Ein 3minütiges Interview über unsere Inhalte und unsere Aktivitäten auf der COP17 war das Ergebnis. So ganz unvorbereitet war das ganz schön aufregend!

Action

Die Kolleginnen von WAGGGS bei einer Ihrer Aktionen während der SBI-Sitzung

Die Kolleginnen von WAGGGS bei einer Ihrer Aktionen während der SBI-Sitzung

Viele Aktionen werden von den NGOs und insbesondere von den Jugendorganisationen durchgeführt um das Aufmerksamkeit der „Pink Badges“ (Offizielle Delegierte von Vertragsstaaten) und der „Green Badges“ (Presse) zu erregen und die Messages an den Mann oder die Frau zu bringen. Für die YOUNGO-Leute steht ein Art-Center in Durban zur Verfügung um Kostüme, Plakate, Requisiten, Flyer, etc. herzustellen. Lars verbrachte den Morgen damit für die Wasseraktionen T-Shirt zu bedrucken und Plakate zu malen. Es ist erstaunlich wie viel Professionalität und Engagement die überwiegend sehr jungen Delegierten an den Tag legen.

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