Tag 11 und 12, Donnerstag, Freitag: Die Tage der Verzweiflung

Worte sind genug gewechselt - jetzt müssen Taten folgen! (Foto: Hollywood Nortz/flickr.com)

Die Tage der Verzweiflung

Die Stimmung bei den Jugendorganisationen und NGOs ist niedergeschlagen. Delegierte von Staaten sind frustriert, genervt und verzweifelt. Nach den Informationen, die uns aus verschiedenen Quellen zufließen blockieren Kanada, die USA und Japan, alle Bemühungen nach einem ambitionierten Ausgang. Die G-77 sind zerstritten und Delegierte von kleineren Staaten fühlen sich von den Großen in der Gruppe wie Brasilien, Venezuela oder Saudi Arabien eingeschüchtert und unter Druck gesetzt. Kleine Küsten- und Inselstaaten sind am Rande der Resignation. Eine Einigung war noch nie so weit weg wie an diesen Tagen. Die Fronten sind festgefahren und eine Wiederbelebung von Kyoto liegt in weiter ferne. Ein Durban-Outcome, irgendeiner Art wird es wohl geben, aber viele rechnen mit einer Papier verschwendenden Papierhülse. Unter den YOUNGO-Organsiationen werden immer extremere und nicht vom Sekretariat abgesegnete Aktionen erwogen.

Lars Tag in der Lobby

Lars im Gespräch mit Nathalie Kosciusko Morizet, der französischen Ministerin für Ökologie, nachhaltige Entwicklung, Verkehr und  Wohnungswirtschaft über die Finanztransaktionssteuer (die auch Robin Hood Tax genannt wird).

Lars im Gespräch mit Nathalie Kosciusko Morizet, der französischen Ministerin für Ökologie, nachhaltige Entwicklung, Verkehr und Wohnungswirtschaft über die Finanztransaktionssteuer (die auch Robin Hood Tax genannt wird).

Nachdem wir mit der Finanzarbeitsgruppe am Mittwoch bereits die geschlossenen Sitzungen des informellen Ausschusses über Finanzen belagert hatten, um die hinein und hinaus gehenden Delegierten in Gespräche und Diskussionen zu verwickelt, startete am Donnerstag die zweite Stufe der Einflussnahme.

Mit einem neuen Flyer mit unseren Forderungen zum Green Climate Fund gingen wir auf die Delegierten zu. Man kann schon sagen, dass man einen gewissen Wiedererkennungseffekt bei den Delegierten hat, und dadurch auch follow-up Fragen stellen kann – die VertreterInnen der Länder werden offener.

Cat von der UK YCC und Lars nutzen die Chance und fingen vor der Pause den norwegischen Ausschussvorsitzenden ab. Nach zunächst verwirrter Distanz wurde er schnell offen und freundlich. Wir überzeugten ihn davon, dass es gut wäre vor der Nachmittagssitzung einen offenen Teil der Sitzung zu gestatten und den Beobachterorganisationen die Möglichkeit eines Briefings zu geben. Wir versuchten es noch ein wenig weiter auszureizen und überzeugten ihn davon, YOUNGO die Möglichkeit eines kurzen Statements in der Ausschusssitzung einzuräumen.

Bildschirme als unverzichtbares Informationsmedium - Pressekonferenz der EU.

Wir machten uns gleich an die Arbeit und entwarfen einen zweiminutigen Text, um die Delegierten im Ausschuss direkt anzusprechen. Mit vielen NGO- und Jugendvertretern im Raum überrumpelte der Vorsitzende den Ausschuss – glücklicherweise erhob sich kein Einspruch gegen diesen Vorgang. In einer zutiefst emotionellen Rede adressierte Kate (SustainUS) aus unserer Arbeitsgruppe die Ausschussmitglieder, die sich in den letzen Stunden in vielen Detailfragen zerstritten hatten, und rief sie zur Besinnung auf das Kernanliegen auf. (Die japanische Delegation filmte den kurzen Auftritt und wir hoffen das Video in Kürze nachzuliefern.) Die spontane Reaktion aller Anwesenden war stehender Applaus. Nachträglich erhielten wir aus der geschlossenen Sitzung die Nachricht, dass es sehr gut angekommen war. Die Stimmung hatte sich komplett gedreht und die Delegierten konnten sich bei vielen Fragen auf Kompromisse. Manchmal hat mal als „Jugend“ doch mehr Macht als man glaubt.

Als weitere Lobbyaktivität kann man auch ein Mittagessen mit zwei Verhandlern der EU zählen. Amüsiert wurde dabei unser Einwurf zur Kenntnis genommen, dass dieses ein Lobbyessen mit der Jungend ist und somit wir von ihnen eingeladen werden sollten und wir nicht sie wie es andere Lobbyisten machen. Ich sag nur: wieder ein kostenloses Mittagessen und ein nettes Gespräch gehabt.

Farewell-Evening: Zu Gast bei den „Trafalgar Sescouts“

Das „Farewell-Evening-Organisational-Planning-Committee“, bestehend aus Dani, Sally und Jess, hatte für unseren letzten Abend ein Wahnsinnsessen geplant. Unser Gastgeber, Wally Muller, seines Zeichens ehemaliger Troop Scouter (=StaVo), hatte angeboten, dies in der Scouthall seines Seascout-Troops zu veranstalten.

Wir haben daraufhin alle Menschen aus der Provinz KwaZulu Natal, mit denen wir in den letzten beiden Wochen zu tun hatten, zu Farewell Evening eingeladen.

Leider war das Wetter nicht mehr so toll, aber mit super lecken Salaten, Boereworst, Chicken (im Ganzen gegrillt) und Getränken verbrachten wir einen ruhigen und sehr schönen Abend.

Es stellte sich heraus, dass unsere komplette Delegation so müde war, dass nicht ein einziges Foto entstanden ist. Wir versichern aber: es ist alles im Rahmen geblieben! 😉

Illegale Aktionen und „debadgen“

Wenn Delegierte Aktionen durchführen, die nicht genehmigt werden besteht immer die Gefahr aus dem ICC geworfen zu werden und „debadged“ zu werden, dass heißt die Akkreditierung entzogen bekommen und ggf für weitere UN-Veranstaltungen gesperrt zu werden. Nachdem die kanadische Jugend-Klimaallianz (CYCC) bereits öffentlichkeitswirksam ihrem Land den Rücken zu gedreht haben und jetzt nur noch von außerhalb agieren können, fanden viele „spontan“ Aktionen direkt im ICC vor den Plenarsälen statt, mit Gesang, Rufen, Tanzen und T-shirt Botschaften o.ä. Dabei war die Aktion meist schon vorbei bevor die netten Männer von der UN-Security ankamen.

Die Aufmerksamkeit der Presse erweckte die Aktion von Abigail Borah, die mit der us-amerikanischen Klimaallianz SustainUS vor Ort ist. Während der Rede des US-Sondergesandten für Klimawandel Todd Stern vor den Ministern und Staatsoberhäuptern, ergriff sie das Wort. Mit lauter Stimme unterbrach sie die Rede mit einen Statement, dass die US-Regierung nur für die US-Unternehmen agiert, nicht aber für das amerikanische Volk und die amerikanische Jugend spricht. Nach kurzer Zeit wurde sie von der UN-Security nach draußen begleitet. Das Video ist auf der SustainUS Webseite abrufbar: www.sustainus.org

Am Freitagmorgen war YOUNGO neben allen anderen Consitutencies zu einer Kurzrede („Intervention“) eingeladen. Nach der ergreifenden Ansprache von Anjali Appadurai gab es standing ovations. Entgegen dem Protokoll verlässt sie jedoch nach ihrer Rede verlässt sie jedoch die Bühne nicht sondern bleibt neben dem RednerInnenpult stehen. Plötzlich ruft Anjali „Mic Check“ und „Mic Check“ schreien 150 Jugendliche, die aus den hinteren Reihen aufgesprungen sind zurück. Und dann schreien wir zusammen so laut wir alle können:

Equity Now!!
You run out of excuses
We’re running out of time
Get it done!
Get it done!
Get it done!

Die Wirkung ist umwerfend, der ganze riesige Plenarsaal ist einen Moment lang erfüllt von den Jugendlichen, die endlich einmal ihrer Enttäuschung Luft machen können und den Delegierten um die Ohren hauen was wir alle schon die ganze Zeit denken. Das war eine kraftvolle Aktion die auch dem letzten deutlich gemacht hat wie viele wir sind!

So etwas ist natürlich eigentlich auch verboten, aber der COP-Vizepräsident Artur Runge-Metzger, reagierte souverän und schloss die Versammlung nach dem tosenden Applaus der Mehrzahl der Delegierten für den Vormittag. Getragen von diesem Applaus verlassen wir zufrieden die Konferenz und treten den Heimweg an.
Hier ist das Video dazu: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=MIgWlgrnzYU

2000 Kinder formten am Strand von Durban erinnern. (Foto: Oxfam/flickr.com)

Heimweg: Wie wir das Ganze wohl ausgehen?

Jetzt sind wir zwischen hier und dort auf unserem Transitflughafen in Johannesburg und fragen uns, wie die Sache wohl ausgehen wird. Wird es in Durban noch zu einem verbindlichen Beschluss kommen? Kann die UN unser Klima retten? Sind wir überhaupt noch zu retten mit diesem komischen Gremium das für sich behauptet das einzige Gremium zu sein, dass legitimiert weltweit geltende Beschlüsse fassen kann – es dann aber doch nicht auf die Reihe bekommt sich in irgendeiner Art und Weise zu einigen? Nelson Mandela sagt „It always seems impossible until it is done“ und auch die EU Klimakommissarin Connie Hedegaard sagte heute morgen in der Pressekonferenz dass sich das Blatt noch wenden kann. Aber die Zeit läuft langsam ab und die großen Blockierer (Indien, China, USA, Kanada, Japan, Russland, Neuseeland) machen keine großen Anstalten von ihren Positionen abzurücken.

Nur noch 10% Akku - schnell noch am Flughafen das Blog hochladen!

Vielleicht ist das aber auch alles gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist es auf individueller Ebene weitere Schritte zu machen. Und selbst wenn es jetzt kein international verbindliches Klimaabkommen gibt, hindert uns nichts daran bei uns zu Hause schon anzufangen das Klima zu schonen und jede und jeder für sich unseren CO² Fußabdruck zu verringern. Get it done!

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