Fazit: Abkommen vertagt, Klimafond beschlossen – was ist nun zu tun?

So, nun ist also die längste Weltklimakonferenz auch zu Ende. Und was bedeutet das jetzt? Wie bewerten wir das Ergebnis?

Politisches Fazit:

Mit drei zentralen Forderungen sind wir auf der COP17 aufgetreten:

  • Intergenerational responsibility to preserve the earth for our and the future generations
  • Climate mainstreaming (national legislation -> climate in every decision making process)
  • Legally binding and globally fair document to keep global warming below 2°C

Intergenerational responsibility? Da haben wir natürlich stark dran gearbeitet. Zum ersten Mal wird die Jugend im Dokument erwähnt, dass ist bereits ein großer Schritt. Aber solange sich die Staaten immer noch rausnehmen, für ihre derzeitige Entwicklung die Ressourcen der Zukunft aufs Spiel zu setzen und die Lösung oder den Umgang mit dem Schlamassel unserer und der uns folgenden Generationen auszulasten, kann von intergenerationaller Gerechtigkeit kein Reden sein!

Climate mainstreaming? Definitve nein. Ansatz ist scheinbar zu innovativ. Vielleicht hat es ja der ein oder andere mit nach Hause genommen und es findet sich bald in dem ein oder anderen Land wieder.

Legally binding? Kurz und gut, wir waren nicht erfolgreiche. Alles was in Durban herausgekommen ist, ist  eine Vereinbbarung eine „instrument“ mit „legal force“ weiterzuverhandeln.

Globally fair? Die Baustelle ist noch offen. Wir haben den Green Climate Fund, was ein großer Erfolg ist. Doch damit fängt die Arbeit erst an. A fund without funding is no funds. Noch ist nich klar, wie das Geld in den Fund kommt und ob es nicht nur eine nutzlose Hülle bleibt, wie bereits andere Funds vor ihm. Für die Entwicklungskänder ist es wichtig, den GCF seperat von der Weltbank und der GEF zu halten.

Keeping global warming below 2°C? Schwere Frage! Im Moment definitiv nicht. Wenn wir die gemachten Zusagen der Staaten zusammen nehmen, werden wir uns am Ende des Jahrhunderts in einer Welt wiederfinden die im Durchschnitt 4°C wärmer ist als in der vorindustriellen Zeit. Dieses wäre der Durchschnitt. In manchen Gegenden könnte es locker das Doppelte sein. Auf der anderen Seite besteht noch eine kleine Hoffnung. Die Durban Platform könnte ein Werkzeug sein um noch den Kurs auf 2°C zu halten. Aber dafür brauchen wir mehr als das Drehen von kleinen Stellschrauben.

Gesamt-Analyse: Ja, es gab einige Fortschritte. Aber die Texte sind wirklich schwach und nicht sehr ehrgeizig oder visionär. Normalerweise sagt man, dass  ein Fortschritt immer noch ein Fortschritt ist, aber an dieser Stelle  denke ich, es bereits zu spät im Spiel des Lebens, um herum zu lamentieren. Es scheint eher, dass es das Ziel war, den Prozess zu retten, nicht den Planeten zu retten. Das Kyoto-Protokoll wurde zunächst gerettet, ist aber leider in einigen Bereichen schwächer als bisher. Jedoch kann man trefflich sagen, dass  das Kyoto-Protokoll an der Herz-Lungen-Maschine liegt und künstlich am Leben gehalten wird. Wir hoffen, es wir ausreichen um den Weg und Verhandlungen zu bis zu einem neuen Vertrag von  2015 sichern. Den Vereinbarungen fehlen konkrete Maßnahmen zur weiteren Verringerung der Treibhausgase. Durban schließt nicht die Lücke, um den  Temperaturanstieg von unter einer 2° C zu erreichen, den die Staaten in Cancún vereinbart haben. Der Klimarettung-Prozess ist zwar gerettet, aber die Auswirkungen vor allem für die Armen der Welt, für Afrika und die Inselstaaten sind bereits real.  USA, China und Indien haben 2020 als Zeitpunkt gesetzt, ab wann der Deal rechtlich verbindlich wird. Das würde realistisch heißen, dass es sicher zu spät ist, um unser Ziel von unter 2°C zu erreichen. Wenn die Welt bis zum Jahr 2020 wartet, um mit der Reduzierung zu beginnen, müsste das CO2 um 15 Prozent pro Jahr reduziert werden, um die angestrebten 350 ppm zu erreichen. Wir sind aus der Zeit.  Wir hoffen, dass wir nicht Zeugen einer Vereinbarung zur Erhöhung der Temperatur von 3-4°C geworden sind.

Fazit für unsere Jahresaktion:

Our World – Our Challenge: Was bedeutet das Ergebnis von Durban für unsere Jahresaktion und darüber hinaus?

Von Anfang an war das Ziel unserer Jahresaktion 2011, Kinder und Jugendliche dazu zu motivieren, unabhängig von politischen Entscheidungen Klimaschutz in ihrem Alltag umzusetzen. Auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene sollten sie sich dafür einsetzen, dass die Belange ihrer und die der zukünftigen Generationen in politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.
Dafür hat sich auch die WOSM-Delegation in Durban eingesetzt.

Da die Entscheidung für ein rechtlich verbindliches und faires Abkommen nun weiter hinaus geschoben wurde, müssen wir unsere Anstrengungen in den nächsten Jahren verstärken. Wir haben gemerkt, dass Pfadfinderinnen und Pfadfinder auf internationalen Konferenzen positiv wahrgenommen werden. Immerhin vertreten WOSM und WAGGGS gemeinsam 40 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit. Wir müssen dafür sorgen, dass die Stimmen dieser Kinder und Jugendlichen auch Gehör finden. Dafür ist es unserer Meinung nach unbedingt notwendig, dass sich WOSM am Beispiel von WAGGGS orientiert und sich aktiver in die politischen Prozesse einmischt. Dabei sein und zugucken genügt nicht mehr!
Das kann vor allem deshalb gelingen, weil viele Entscheidungsträgerinnen und -träger als Jugendliche selbst Pfadfinderinnen und Pfadfinder waren. Nutzen wir diese Netzwerke!

Auch die DPSG sollte sich deutschlandweit stärker in die Klimanetzwerken auf lokaler, regionaler und Bundesebene einbringen. Gemeinsam mit KLJB und BDKJ müssen wir unsere Verantwortung für die Schöpfung und die Interessen von Kindern, Jugendlichen und zukünftigen Generationen ernsthaft vertreten.

Verantwortung der Kirche

Gottesdienst in Westernohe (Foto: DPSG)

Eine Lektion aus „Our World – Our Challenge“ und der enttäuschenden Ergebnisse der COP17 muss darin bestehen, die Verantwortung für das Klima in kirchliche Gremien einzubringen. Die katholische Kirche hat als weltweite Kirche die einzigartige Chance, Christinnen und Christen von Tuvalu bis Togo, von Deutschland bis Djibuti, von China bis Chile zu vereinen. Die gemeinsame Zukunftsaufgaben „Klimaschutz“ und „Klimagerechtigkeit müssen daher raus aus wohlfeilen Erklärungen und hinein in die politische und seelsorgerische Praxis der Kirche! Hier ist es auch an uns, kritisch zu hinterfragen, wo die Kirche zu eng mit den Mächtigen und finanziell Einflussreichen zusammen arbeitet, statt sich für die Belange der Armen und besonders vom Klimawandel betroffenen Menschen einzusetzen.

 Politisches Handeln als zentrale Säule pfadfinderischen Lebens

Kinder und Jugendliche vertreten - WAGGGS-Tanzaktion auf der COP17

Durch den auf der 74. Bundesversammlung verabschiedeten klimapolitischen Antrag[1] verpflichten wir uns dazu, das Prinzip „Learning by doing“ auch auf den Klimaschutz anzuwenden und bei uns selbst anzufangen. Klimaschutz in die Gruppenstunden, Sommerlager per Fahrrad, Bus oder zu Fuß müssen Normalität werden. Unsere Bildungshäuser sollen zu Leuchttürmen nachhaltigen Wirtschaftens in ihrer Region werden – auch und gerade unter Berücksichtigung knapper finanzieller Mittel. Denn der Klimawandel wird uns noch teurer zu stehen kommen, wenn wir nicht heute damit anfangen, ihn möglichst gering zu halten!

In unserer Ordnung steht:

„Die DPSG praktiziert und fördert politisches Handeln, um die Rechte von Kindern und Jugendlichen weltweit zu wahren, für Frieden in Nah und Fern einzutreten, für Gerechtigkeit zu sorgen und die Natur zu schützen.“
(Ordnung der DPSG, S.13)

Dies möchten wir durch unserer Erfahrungen in Durban noch einmal besonders hervorheben. Es lohnt sich für Kinder und Jugendliche, sich für Klimaschutz zuhause und anderswo einzusetzen! Den meisten Politikerinnen und Politikern (sowie WirtschaftsvertreterInnen und anderen LobbyistInnen) ist klar, dass es bei diesem Thema nicht mehr um ihre Generation geht. Sie brauchen unbedingt den Anschub von Kindern und Jugendlichen, um gute Entscheidungen mit langfristigen Wirkungen zu fällen! Gibt es diesen Schub nicht, fällen sie (wie in Durban geschehen), Entscheidungen die ihren Förderern und Wählern jetzt und heute zuhause nutzen. Das Recht der zukünftigen Generationen – insbesondere in Entwicklungsländern – auf eine freie Entfaltung ihres Lebens, müssen wir lautstark einfordern.
Umsonst und ohne Arbeit wird es das nicht geben.

Danke und Weitermachen!

Allen Leserinnen und Lesern unseres Blogs möchten wir hier noch einmal ausdrücklich danken! Eure Kommentare haben uns sehr gefreut und Mut gemacht.

Wir hoffen, dass wir euch dafür begeistern konnten, euch mit dem Thema auseinander zu setzen. Bitte legt heute noch mit euren Klimaschutzbeitrag in eurem Alltag los!

Sofort geht das, indem ihr noch ein paar Aktionen in der Jahresaktionswette anpackt: http://www.dpsg.de/aktionen/jahresaktion2011/Aktionen.53.0.html
Punkte sammeln könnt ihr noch bis Ende des Jahres, Aktionen eintragen noch bis Ende Februar 2012!

Weitere Informationen findet ihr im Netz unter

Netzwerken: www.klima-allianz.de
Infos für Kinder: http://www.bmu-kids.de

Methoden für die Gruppenarbeit:
http://www.dpsg.de/aktionen/jahresaktion2011/Methoden-fuer-Gruppen.34.0.html

Klimaschutz im Alltag:
–         Den eigenen CO2-Ausstoß berechnen: http://uba.klima-aktiv.de/umleitung_uba.html
–         Klimaschutz für VerbraucherInnen: http://www.verbraucherfuersklima.de

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Über dpsgcop17

Magdalena, Lars and Kaddi - we're the German members of the delegation of the World Organisation of Scout Movement to COP17, taking place from Nov, 28th to Dec, 9th this year in Durban. With our colleagues from South African Scout Association we're going to promote our joint annual campagin "Our World - Our Challenge"! Additionally we're aiming to promote scouting in the community of climate protection NGOs and partners.

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