Die lange Nacht von Durban

Als wir am Freitagabend in Jo’burg in den Flieger nach London stiegen waren die Verhandlungen gerade verlängert worden. Nun zurück in Deutschland zieht sich die COP17 noch immer weiter in die Länge.Kurz nach unserer Abreise aus Durban zog die bisher größte Demonstration innerhalb des Konferenzgelände (illegal) durch das ICC.Vertreter der Zivilgesellschaft unter großer Beteiligung der Jugend-NGOs marschieren durch das Konferenzentrum. Die illigale Aktion führt dazu, dass viele NGO-Delegierte überweigend von Greenpeace des Geländes verwiesen wurden. http://www.youtube.com/watch?v=Fj7m9KmSn20

Wir durften nun offiziell die längste Klimakonferenz der Geschichte miterleben. Die bloße Länge zeigt, der Druck war schon einmal erfolgreich, denn die Staaten haben erkannt, dass die Menschen der Erde ein Ergebnis aus Durban erwarten. Eben sagte die COP Presidentin: „let’s make history tonight, let’s meet climate change tonight. It always seems impossible until it is done“. Es sieht so aus, als ob die letzte und entscheidene Phase der Verhandlungen begonnen haben.

Impressionen aus der laufenden Verhandlung:

EU: „When we have a global problem voluntary solutions will not work. I can look at other examples in history to show this. International problems require international legislation. This is a lesson we have learnt here. It is the only way. We can agree here to a legal deal. Science tells us that we are already late, let’s try and have a legal deal by 2018.“ I can hear the cheers through the corridors. The EU are alight aren’t they!

Kolumbien : „we cannot accept a deal at 2020. it is too late.we cannot accept an agreement that will affect the future of our people. we have worked so hard and hope to get an agreement and we add our voice to the EU. Lets have a legal convention that applies 2018.“

Granada: “While they develop, we die in the process. Why should we accept this? This little island I am from is where I get my dignity from. The point is what do we leave here with? What do we tell our people when we get home?” Großer Applaus von Vertretern der Zivilgesellschaft.

Indien: “does climate change mean you give up equity? This is not about India, it is about the world. Unless you agree to drop weak wording over legal agreements. Is it the case that certain countries say something and the rest of the world have to agree. Well, I am sorry but India will never be intimidated by these nations. How can I sign a blank cheque to sign away the rights of 1.2billion people in the developing world. I wonder if there is an effort here to shift the problem here to countries that have not contributed to this problem. This is a weak text. Is there something going on here? This historic city if saying goodbye to equity and to common but differentiated responsibility” India are furious. They are furious at USA. Developing nations are being threatened and bullied.”

Bolivien: expresses outrage at “one nation who have used vastly more than others and ensured others live in poverty and misery as they abuse the global environment. Today it is a rich industrial nation and others are struggling to develop. Those who are rich today and have abused the atmosphere are refusing to sign up and want us to do so. This is not responsible. The USA negotiator didn’t even give him the dignity to stay in the room as Bolivia spoke.”

Das Ministermeeting kann im Livestream im Internet verfolgt werden:

http://unfccc4.meta-fusion.com/kongresse/cop17/templ/live.php?id_kongresssession=4152&theme=unfccc

Guckt Euch den Livestream an es lohnt sich wirklich!

Die verbliebenen YOUNGO-Vertreter twittern und facebooken live aus dem ICC. Der neuseeländische Umweltaktivist Sir Peter Blake, der letzten Samstag seinen 10. Todestag hatte sagte einmal: „Having vision is not enough. Change comes through realising the vision and turning it into a reality. It is easy to espouse worthy goals, values and policies; the hard part is implementation.“

Wir warten, wir hoffen… und schauen auf Durban.

Tag 11 und 12, Donnerstag, Freitag: Die Tage der Verzweiflung

Worte sind genug gewechselt - jetzt müssen Taten folgen! (Foto: Hollywood Nortz/flickr.com)

Die Tage der Verzweiflung

Die Stimmung bei den Jugendorganisationen und NGOs ist niedergeschlagen. Delegierte von Staaten sind frustriert, genervt und verzweifelt. Nach den Informationen, die uns aus verschiedenen Quellen zufließen blockieren Kanada, die USA und Japan, alle Bemühungen nach einem ambitionierten Ausgang. Die G-77 sind zerstritten und Delegierte von kleineren Staaten fühlen sich von den Großen in der Gruppe wie Brasilien, Venezuela oder Saudi Arabien eingeschüchtert und unter Druck gesetzt. Kleine Küsten- und Inselstaaten sind am Rande der Resignation. Eine Einigung war noch nie so weit weg wie an diesen Tagen. Die Fronten sind festgefahren und eine Wiederbelebung von Kyoto liegt in weiter ferne. Ein Durban-Outcome, irgendeiner Art wird es wohl geben, aber viele rechnen mit einer Papier verschwendenden Papierhülse. Unter den YOUNGO-Organsiationen werden immer extremere und nicht vom Sekretariat abgesegnete Aktionen erwogen.

Lars Tag in der Lobby

Lars im Gespräch mit Nathalie Kosciusko Morizet, der französischen Ministerin für Ökologie, nachhaltige Entwicklung, Verkehr und  Wohnungswirtschaft über die Finanztransaktionssteuer (die auch Robin Hood Tax genannt wird).

Lars im Gespräch mit Nathalie Kosciusko Morizet, der französischen Ministerin für Ökologie, nachhaltige Entwicklung, Verkehr und Wohnungswirtschaft über die Finanztransaktionssteuer (die auch Robin Hood Tax genannt wird).

Nachdem wir mit der Finanzarbeitsgruppe am Mittwoch bereits die geschlossenen Sitzungen des informellen Ausschusses über Finanzen belagert hatten, um die hinein und hinaus gehenden Delegierten in Gespräche und Diskussionen zu verwickelt, startete am Donnerstag die zweite Stufe der Einflussnahme.

Mit einem neuen Flyer mit unseren Forderungen zum Green Climate Fund gingen wir auf die Delegierten zu. Man kann schon sagen, dass man einen gewissen Wiedererkennungseffekt bei den Delegierten hat, und dadurch auch follow-up Fragen stellen kann – die VertreterInnen der Länder werden offener.

Cat von der UK YCC und Lars nutzen die Chance und fingen vor der Pause den norwegischen Ausschussvorsitzenden ab. Nach zunächst verwirrter Distanz wurde er schnell offen und freundlich. Wir überzeugten ihn davon, dass es gut wäre vor der Nachmittagssitzung einen offenen Teil der Sitzung zu gestatten und den Beobachterorganisationen die Möglichkeit eines Briefings zu geben. Wir versuchten es noch ein wenig weiter auszureizen und überzeugten ihn davon, YOUNGO die Möglichkeit eines kurzen Statements in der Ausschusssitzung einzuräumen.

Bildschirme als unverzichtbares Informationsmedium - Pressekonferenz der EU.

Wir machten uns gleich an die Arbeit und entwarfen einen zweiminutigen Text, um die Delegierten im Ausschuss direkt anzusprechen. Mit vielen NGO- und Jugendvertretern im Raum überrumpelte der Vorsitzende den Ausschuss – glücklicherweise erhob sich kein Einspruch gegen diesen Vorgang. In einer zutiefst emotionellen Rede adressierte Kate (SustainUS) aus unserer Arbeitsgruppe die Ausschussmitglieder, die sich in den letzen Stunden in vielen Detailfragen zerstritten hatten, und rief sie zur Besinnung auf das Kernanliegen auf. (Die japanische Delegation filmte den kurzen Auftritt und wir hoffen das Video in Kürze nachzuliefern.) Die spontane Reaktion aller Anwesenden war stehender Applaus. Nachträglich erhielten wir aus der geschlossenen Sitzung die Nachricht, dass es sehr gut angekommen war. Die Stimmung hatte sich komplett gedreht und die Delegierten konnten sich bei vielen Fragen auf Kompromisse. Manchmal hat mal als „Jugend“ doch mehr Macht als man glaubt.

Als weitere Lobbyaktivität kann man auch ein Mittagessen mit zwei Verhandlern der EU zählen. Amüsiert wurde dabei unser Einwurf zur Kenntnis genommen, dass dieses ein Lobbyessen mit der Jungend ist und somit wir von ihnen eingeladen werden sollten und wir nicht sie wie es andere Lobbyisten machen. Ich sag nur: wieder ein kostenloses Mittagessen und ein nettes Gespräch gehabt.

Farewell-Evening: Zu Gast bei den „Trafalgar Sescouts“

Das „Farewell-Evening-Organisational-Planning-Committee“, bestehend aus Dani, Sally und Jess, hatte für unseren letzten Abend ein Wahnsinnsessen geplant. Unser Gastgeber, Wally Muller, seines Zeichens ehemaliger Troop Scouter (=StaVo), hatte angeboten, dies in der Scouthall seines Seascout-Troops zu veranstalten.

Wir haben daraufhin alle Menschen aus der Provinz KwaZulu Natal, mit denen wir in den letzten beiden Wochen zu tun hatten, zu Farewell Evening eingeladen.

Leider war das Wetter nicht mehr so toll, aber mit super lecken Salaten, Boereworst, Chicken (im Ganzen gegrillt) und Getränken verbrachten wir einen ruhigen und sehr schönen Abend.

Es stellte sich heraus, dass unsere komplette Delegation so müde war, dass nicht ein einziges Foto entstanden ist. Wir versichern aber: es ist alles im Rahmen geblieben! 😉

Illegale Aktionen und „debadgen“

Wenn Delegierte Aktionen durchführen, die nicht genehmigt werden besteht immer die Gefahr aus dem ICC geworfen zu werden und „debadged“ zu werden, dass heißt die Akkreditierung entzogen bekommen und ggf für weitere UN-Veranstaltungen gesperrt zu werden. Nachdem die kanadische Jugend-Klimaallianz (CYCC) bereits öffentlichkeitswirksam ihrem Land den Rücken zu gedreht haben und jetzt nur noch von außerhalb agieren können, fanden viele „spontan“ Aktionen direkt im ICC vor den Plenarsälen statt, mit Gesang, Rufen, Tanzen und T-shirt Botschaften o.ä. Dabei war die Aktion meist schon vorbei bevor die netten Männer von der UN-Security ankamen.

Die Aufmerksamkeit der Presse erweckte die Aktion von Abigail Borah, die mit der us-amerikanischen Klimaallianz SustainUS vor Ort ist. Während der Rede des US-Sondergesandten für Klimawandel Todd Stern vor den Ministern und Staatsoberhäuptern, ergriff sie das Wort. Mit lauter Stimme unterbrach sie die Rede mit einen Statement, dass die US-Regierung nur für die US-Unternehmen agiert, nicht aber für das amerikanische Volk und die amerikanische Jugend spricht. Nach kurzer Zeit wurde sie von der UN-Security nach draußen begleitet. Das Video ist auf der SustainUS Webseite abrufbar: www.sustainus.org

Am Freitagmorgen war YOUNGO neben allen anderen Consitutencies zu einer Kurzrede („Intervention“) eingeladen. Nach der ergreifenden Ansprache von Anjali Appadurai gab es standing ovations. Entgegen dem Protokoll verlässt sie jedoch nach ihrer Rede verlässt sie jedoch die Bühne nicht sondern bleibt neben dem RednerInnenpult stehen. Plötzlich ruft Anjali „Mic Check“ und „Mic Check“ schreien 150 Jugendliche, die aus den hinteren Reihen aufgesprungen sind zurück. Und dann schreien wir zusammen so laut wir alle können:

Equity Now!!
You run out of excuses
We’re running out of time
Get it done!
Get it done!
Get it done!

Die Wirkung ist umwerfend, der ganze riesige Plenarsaal ist einen Moment lang erfüllt von den Jugendlichen, die endlich einmal ihrer Enttäuschung Luft machen können und den Delegierten um die Ohren hauen was wir alle schon die ganze Zeit denken. Das war eine kraftvolle Aktion die auch dem letzten deutlich gemacht hat wie viele wir sind!

So etwas ist natürlich eigentlich auch verboten, aber der COP-Vizepräsident Artur Runge-Metzger, reagierte souverän und schloss die Versammlung nach dem tosenden Applaus der Mehrzahl der Delegierten für den Vormittag. Getragen von diesem Applaus verlassen wir zufrieden die Konferenz und treten den Heimweg an.
Hier ist das Video dazu: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=MIgWlgrnzYU

2000 Kinder formten am Strand von Durban erinnern. (Foto: Oxfam/flickr.com)

Heimweg: Wie wir das Ganze wohl ausgehen?

Jetzt sind wir zwischen hier und dort auf unserem Transitflughafen in Johannesburg und fragen uns, wie die Sache wohl ausgehen wird. Wird es in Durban noch zu einem verbindlichen Beschluss kommen? Kann die UN unser Klima retten? Sind wir überhaupt noch zu retten mit diesem komischen Gremium das für sich behauptet das einzige Gremium zu sein, dass legitimiert weltweit geltende Beschlüsse fassen kann – es dann aber doch nicht auf die Reihe bekommt sich in irgendeiner Art und Weise zu einigen? Nelson Mandela sagt „It always seems impossible until it is done“ und auch die EU Klimakommissarin Connie Hedegaard sagte heute morgen in der Pressekonferenz dass sich das Blatt noch wenden kann. Aber die Zeit läuft langsam ab und die großen Blockierer (Indien, China, USA, Kanada, Japan, Russland, Neuseeland) machen keine großen Anstalten von ihren Positionen abzurücken.

Nur noch 10% Akku - schnell noch am Flughafen das Blog hochladen!

Vielleicht ist das aber auch alles gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist es auf individueller Ebene weitere Schritte zu machen. Und selbst wenn es jetzt kein international verbindliches Klimaabkommen gibt, hindert uns nichts daran bei uns zu Hause schon anzufangen das Klima zu schonen und jede und jeder für sich unseren CO² Fußabdruck zu verringern. Get it done!

Verhandlungs-Update 2

Guten Abend zusammen!

Noch eine kurzes und einfaches Update über die Verhandlungen von heute. Im Moment können wir nur berichten, was wir gehört haben, es ist wirklich sehr schwer dem Verlauf von geschlossenen Sitzungen zu folgen. Aber wenn man in der Lobby zwischen den Sitzungssälen die Delegierten abfängt, bekommt man streckenweise Informationen oder kann diesen noch ein paar Punkte mit auf den Weg geben. Jepp – daher kommt der Begriff „Lobbying“. Heute ist es uns sogar gelungen ein Mitglied der deutschen Delegation zu erwischen. Nun aber zu den Updates:

Kürzen  – aber nur ein bisschen
Zunächst gab es ein neues LCA-Dokument „CRP38“! Yeah! Gleich schon signifikant kürzer: statt 144 nun nur noch 138 Seiten. Dabei ist immer noch keine gemeinsame Version zu erkennen. Einiges ist klarer geworden dafür aber weniger politisch ambitioniert. Ein Vorteil: Alles ist jetzt besser sortiert. Die vielen Klammern und Schachtelsätze sind jetzt verschwunden und in verschiedenen Optionen umgewandelt worden. Dass macht uns die Sache einfacher zu entscheiden welche der Optionen wir wollen. Jetzt sehen wir viele weitere klare Möglichkeiten: Beispielsweise hat die Zusammensetzung des Adaptation Committee noch 3 Optionen. In der einen sind die Entwicklungsländer besser vertreten; alle Optionen schlüsseln die regionalen Vertretung unterschiedlich auf.

Auch in den Bereichen Finanz- und Technologie-Transfer liegen noch sehr unterschiedliche Möglichkeiten auf dem Tisch. Der Teil über Capacity Building enthält bei der Gestaltung und Umsetzung von Capacity Building-Projekten nun eine Referenz die die Jugend.

Legally binding agreement? Not yet!
Aus der rechtlich-verbindliche Perspektive sind wir wieder einen Schritt zurückgegangen, einige wenige Ländern unterstützen die Aufnahme der rechtlich stärker verbindlichen Option im Text. Dabei ist die stärkste Option aus unserer Perspektive nicht einmal stark genug! Die EU will eine rechtlich bindende Vereinbarung von 2015 an, mit Großbritannien als wichtigsten Verfechter dieser.

Die Verhandlungen zum LCA fanden dabei heute komplett hinter verschlossenen Türen statt. Schwerpunkt bis tief in die Nacht waren auch die Finanzen: Erörtert wurden die Transparenz des Green Climate Fund, Beteiligung des privaten Sektors und ob es Berichte an die COP oder an ein anderes Gremium gibt.

Neues vom Kyoto-Protokoll

Die EU hat gesagt, sie wird einer zweiten Verpflichtungsperiode des KP beitreten, auch ohne dass andere Länder diesem Beispiel folgen, aber nur solange, wie es ein klares Mandat für eine zukünftige rechtlich-verbindliche Regelung gibt, die auch für die Entwicklungsländer gilt. Wahrscheinlich wäre eine Wirkung nach 2020. Die USA wollen für einen Beitritt eine volle rechtsverbindliche Vereinbarung für die großen Entwicklungsländer sehen. Es scheint als ob China sich ein wenig flexibler und zielorientierter zeigt (nach Angaben der EU), oder immer weniger flexibel wird (nach Angaben der USA). Natürlich ist es im Interesse Beider, um Chinas Position in dieser Hinsicht spinnen, und China äußert sich noch nicht  sehr klar. Indien gibt eher pessimistische Töne von sich.

Soviel in Kürze. Morgen mehr! Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Reflektionen zu CO² Ausstoß und der Klimakonferenz

Die Klimakonferenz laeuft auf ihren Hoehepunkt hin und gleichzeitig scheint das Ergebnis schon fast festzustehen: auch dieses Jahr scheint es nicht zu einem verbindlichen Abkommen  und damit einer Verlaengerung des Kyoto Protokolls zu kommen.

„Was bringen denn diese Verhandlungen dann?“, mag sich der eine oder die andere fragen. Und vor  allem – und diese Frage finde ich sehr wichtig – was bringt es, dass die Pfadfinder vor Ort sind? Ist es das Wert 20 000 kg CO2 fuer die Fluege rauszublasen? Und auch sonst hatten wir ja Kosten. Zum Glueck werden die vom KJP gefoerdert und nur ein kleiner Teil aus Eigenmitteln der DPSG. Dazu hat uns uebrigens eine Anfrage per email erreicht und da kann ich euch beruhigen: fuer die Teilnahme der DPSG an der Klimakonferenz werden keine Jahresaktionsgelder ausgegeben. Das waehre auch nicht in Ordnung, denn dafuer haben wir das Geld ja nicht gesammelt.

Ist unsere Anwesenheit hier die 20 000 kg CO2 wert? Dazu ein paar Gedanken:

Natuerlich ist es ein Problem 20 000 kg CO2 zu emitieren fuer eine Konferenz bei der nichts rauskommt. Aber dafuer sind wir ja auch hier: um uns dafuer einzusetzen, dass es ein verbindliches Abkommen gibt. Klar kann man sich dann fragen, ob es sich lohnt, soviel CO² rauszublasen, um „das Klima zu retten“ und ob denn diese kleine DPSG Delegation einen Unterschied macht. Ehrlich gesagt – keine Ahnung. Wir haben kleine Erfolge: wir haben eine Rede gehalten, wir haben zwei Dokumente mit Argumenten geschrieben und verteilt, und wir haben mit vielen Leuten gesprochen. Natürlich kann man nicht messen welchen Effekt wir haben. Und noch weniger kann man das in CO² Äquivalenten aufrechnen. Aber wahrscheinlich ist es schon wichtig, dass die Zivilgesellschaft bei solchen Konferenzen vor Ort ist, denn sonst wuerde vielleicht wirklich noch weniger (oder noch mehr Quatsch) rauskommen.

Verhandlungs-Update

Hallo zusammen, wir haben zu Eurer Information gestern Nacht einen kurzen Überblick über die Verhandlungen zusammengestellt, damit ihr ganz grob wisst, wie es um die Kernanliegen auf der COP17 so steht. Natürlich würde es den Charakter dieses Blogs sprengen, wenn wir alles ausführlich besprechen würden und alle Details zu allen thematischen Arbeitsgruppen hier vorstellen. Aber wie immer könnt ihr uns gerne Emails schicken oder die Beträge kommentieren. Wir versuchen Euch dann Antworten zu geben.

Alle Informationen sind tagesaktuell, wenn nicht sogar stundenaktuell, alles bewegt sich diese Woche in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit. SBI und SBSTA sind fertig mit der Arbeit also konzentrieren wir uns auf die beiden wesentlichen Dokumente: KP und LCA.

Das Kyoto-Protokoll (KP):

Es wird erwartet, dass sich die Staaten zu einem 2. Anwendungszeitraum des KP verpflichten und Emissionsreduktionen von 2013 bis 2018 vereinbaren. Problematisch sind hier derzeit Kanada, Japan, Russland und einige andere. Aus der EU bekommt man verschieden Nachrichten, auf der einen Seite hat sie ihre Unterstützung für das KP mitgeteilt, aber einzelne Staaten senden auch andere Signale aus. Was immer auch mit dem KP passiert wird wohl nur in Verbindung mit dem langfristigen LCA geschehen.

Viele Staaten mit Verpflichtungen aus dem KP wollen nicht auf eine 2. Verpflichtungsperiode einlassen, wenn es keinen klaren Plan für die Verpflichtung anderer großer Emittenten gibt. Hier hängt es von Brasilien, Indien, China und Südafrika ab, je mehr diese Staaten bereit sind, sich zur einer Senkung der Emissionen in die Zukunft zu verpflichten, desto wahrscheinlicher ist es, dass die andere Staaten im KP bleiben.

Die nächste Klimakonvention (LCA):

Am Samstag wurde das bereits gestern erwähnte umfangreiche Dokument (dass so genannte „CRP37“). Es zeigt alles, was in den kleineren Gruppen diskutiert wurde. Der Text ist sehr stark im Fluss, da er auch bisher viel viel zu lang ist. Bisher fehlt jedoch eine gemeinsame Vision. Die Variationen wofür welche Staaten stehen und welche Ziel- und Prinzipien sie vertreten sind sehr groß und sehr widersprüchlich. Im Finanzierungsbereich machen wir Fortschritte und es bewegt sich etwas, dabei wird wohl der Bericht des Ausschusses über die Gestaltung eines Green Climate Fund (GCF) nicht noch einmal geöffnet (man nennt es „öffen“ wenn die Staaten nicht mit dem Inhalt eines Berichts einverstanden sind und deshalb noch einmal am Dokument selber gearbeitet wird). Trotz vieler noch offener Diskussionen wir es voraussichtlich ein „Entscheidung Dokument“ geben, welches an den Bericht angehängt wird in dem nicht alle offenen Fragen beantwortet werden. Zum Beispiel sind die USA und einige lateinamerikanische Länder nicht glücklich mit der Rolle, wie der Bericht die Teilhabe des privaten Sektors am GCF beschreibt. Es gibt auch viele Diskussionen darüber, wie der GCF langfristig mit Geld gefüllt werden soll. Jedoch rechnet hier in Durban keiner mit einer Vereinbarung über die langfristiger Finanzierung, aber es werden schon Grundsteine für Katar 2012 gelegt. Das positive an dem Prozess hier ist, dass noch vieles problemlos andiskutiert werden kann und ein „thinking out of the box“ möglich ist, wie eine langfristige Finanzierung des Klimaschutzes möglich ist.

COP

Heute beginnt auch die eigentliche COP (das Forum für die Minister). Spannend wurde es bereits, da Indien bereits in den Vorverhandlungen zusätzliche umstritten Tagesordnungspunkte auf die Agenda gehoben hat. Eines mit Bezug auf Schutz am geistigen Eigentum (z.B. Patente), und über ein gleiches Recht auf nachhaltige Entwicklung.

Morgen (Mittwoch) wird ein interessanter Tag. Ein neuer LCA-Entwurf wird veröffentlicht und wir erwarten, mehr politische Ankündigungen über die Zukunft des Kyoto-Protokolls. Es wird also spannend in Durban…

Tag 8: Der Anfang der Zielgeraden

Arbeitsgruppe im Café

Heute am 8. Tag der COP17 hat das Highlevel Segment begonnen Wie schon bei facebook beschrieben: Es ist voll geworden auf der Weltklimakonferenz. Die Woche des Highlevel Segments hat begonnen und noch mehr Delegierte sind angereist – jetzt geht es um die sprichwörtliche Wurst! Lars hat heute für die Delegation die Entwurfsdokumente des SBI (65 Seiten), SBSTA (79 Seiten) und LCA (144 Seiten) aufbereitet und sie wesentlichen Punkte vorgestellt, die am Ende der letzten Woche das Ergebnis der Verhandlungen in den verschiedenen Gremien zusammen fassen.

Das dickste Dokument war der Bericht der Ad-hoc-Working-Group on Longterm-Committment-Agreement (LCA). Das Gute ist: zwei unserer drei Ziele (intergenerationelle Gerechtigkeit, ein rechtlich verbindliches und global faires Abkommen) sind in dem Dokument an prominenter Stelle vertreten. Das Schlechte: dieser Entwurf wird in den nächsten Tagen noch massiv reduziert (von jetzt etwa 144 Seiten auf vermutlich 30). Zudem sind viele Entscheidungen noch nicht getroffen, sondern es werden noch verschiedenen Alternativen angeboten über die noch abgestimmt werden muss. So liest sich beispielsweise der 12. Absatz auf Seite 8 folgend:

12. Parties [should collectively reduce][share the goal of achieving a reduction of] global greenhouse gas emissions by [at least ][50][85] per cent [from 1990 levels] by 2050 (to be updated based on the 2013.2015 review of the global goal);

Daran kann man sehen, dass noch nicht entscheiden worden ist, ob es sich um ein hartes (“should”) oder ein weiches (“share the goal”) Dokument handelt wird, sowie ob es mindestens 50 % oder 85 % sein werden und zu welchem Referenzwert.

Magdalena im Special event des SBI-Vorsitzenden

Im Bericht des Subsidiary Body on Implementation (SBI) werden die Themen „Wasser“ und „Capacity Building“ ausführlich und im Sinne unserer aktiven YOUNGO-AG-Mitglieder aufgeführt. Die wichtigste Frage in diesem Gremium ist allerdings immer noch: Was wird aus dem Kyoto-Protokoll? Offiziell sagen die meisten Delegationen, dass sie sich natürlich für eine 2. Periode des Kyoto-Protokoll einsetzen. Eine Vielzahl an Äußerungen lässt aber darauf schließen, dass sie mit einem großen „ABER“ argumentieren. Russland wurde beispielsweise heute für den „Fossil of the Day“-Award nominiert, weil sie – obgleich sie einer 2. Verpflichtungsperiode nicht zustimmen wollen – ihre Verschmutzungsrechte aus der ersten in eine zweite Periode herüber retten wollen. Kanada hat ohnehin schon vorher in mehreren Verlautbarungen deutlich gemacht, dass sie eigentlich kein 2. Kyotoprotokoll möchten. Die EU hat sich heute in einer Pressekonferenz stark positioniert – aber: die Frage, inwieweit sich China einem völkerrechtlich verbindlichen Abkommen anschließt, müsse noch eingehend untersucht werden.

Klimafinanzierung

Unter dem Mandat der Forderung für ein “globally fair” Abschlussdokument unterstützt Lars seit heute auch die Finanzarbeitsgruppe von YOUNGOs. Dabei scheint die Hauptforderung der Einrichtung eines Green Climate Funds (GCF) bereits in greifbarer Nähe, da sich viele Staaten bereits dieses Model zu Eigen gemacht haben. Fraglich ist die genaue Ausgestaltung und Verwaltung und natürlich wie wir den Funds mit Geldmitteln auffüllen wollen. Angedacht sind dabei Maßnahmen, wie den Schiff- und Flugverkehr mit den Emissionshandel einzubeziehen und die Einführung einer Micro-Finanztransaktionssteuer (FTT), die jede Transaktion mit einer Steuer von 0,01 bis 0,05% belegt. Dadurch könnten Milliarden eingenommen werden und auch Finanzkrisen schneller eingedämmt werden. Für die Einsatz für die FTT werden die Staaten mit dem Robin Hood Preis ausgezeichnet. Heute wurde Bangladesh für seinen Einsatz für die FTT geehrt.

Eco Training Camp

SASA-Ecocamp: Spiele, Wissen und "einfach mal was Anderes"

Während die „Innendelegation“ sich durch Dokumente frisst, arbeiten vier Leute als „Außendelegation“ im Eco Training Camp täglich mit etwa 70 Kindern. Dieses findet vormittags auf dem Gelände des „Provincial Head Quarter“, etwa ähnlich unseren Diözesanbüros statt. Dani, Mitglied der Jahresaktionsgruppe 2011 und nun weltwärts-Freiwillige in Mpumalanga, leitet täglich einen Workshop über unsere gemeinsame Jahresaktion „Our World – Our Challenge“ und Pfadfinden in Deutschland. Sie spielt typische Gruppenstundenspiele („Komm mit – Lauf weg“, Knotenmutter usw) und beantwortet dann zum Schluss unzählige Fragen, wie „Wie könnt ihr Gruppenstunde machen, ohne vorher das Banner zu hissen?“ Da Gruppenstunden hier in Südafrika ganz anders ablaufen (vgl. mittendrin 3/2011), gibt es hier viel Stoff für interkulturellen Austausch.

Trommelkurs - Dani scheint es schon ganz gut raus zu haben!

Nachmittags geht es an den Strand. Aber natürlich nicht zum Schwimmen! Dort stellen ganz viele NGOs ihre Projekte aus. Greenpeace hat ein großes solarbetriebenes Zelt, in dem Filme gezeigt werden und BesucherInnen sich über erneuerbare Energien informieren können. Aber dort gibt es auch Kulturprogramm und Sportangebote. Die WorkshopleiterInnen entscheiden jeden Tag recht spontan, was sie mit den Kindern machen.
Die Kinder sind jeweils PfadifnderInnen, deren Stamm an eine Schulde angegliedert ist. Sie kommen aus benachteiligten Gebieten in der Durbanregion.

Morgen wir die heute begonnene Aktion „Find the German Delegation“ weitergeführt. Wir werden es noch schaffen wirklich Kontakt mit unseren VerhandlerInnenn aufzunehmen.

So, ein langer Tag geht zu Ende – gute Nacht für heute!

Tag 7: Im Auge des Hurrikans

Der Sonntag ist da, und wir können Euch mal mit ein paar allgemeinen Informationen versorgen. Am Sonntag ruht das ICC nicht komplett, aber es finden keine Meetings der Ausschüsse oder Verhandlungsgruppen statt. Die High-Level Personen kommen langsam an. Viele Limosinen-Konvois, begleitet von Sirenen und Blaulicht, ziehen durch die Straßen von Durban. Man merkt, dass alle Delegierten und Beteiligten noch einmal Luft holen um in die entscheidende Phase einzutreten. Es kann etwas Schlaf nachgeholt, aufgestaute Emails abgearbeitet oder endlich einmal die Umgebung um das Konferenzgebäude erkundet werden. Menschen, von denen man dachte, sie sind in ihrem Anzug eingenäht sind in Zivil unterwegs. Es ist so ruhig man könnte meinen das gerade das Auge des Hurrikans über einen hinweg zieht.

 Reden und Lesen

Die Kommunikation auf einer Weltklimakonferenz ist wirklich sehr speziell. Neuigkeiten kommen natürlich per Email. Programmaktualisierungen werden in einer täglichen Broschüre veröffentlicht. Jeden Morgen marschiert dafür ein Mitglied unserer Delegation zum Dokumentationszentrum und holt für jeweils 2 Personen ein aktuelles Tagesprogramm.

Die Arbeitsergebnisse der Untergremien (SBI, SBSTA, AWG-LCA, AWG-KP) wurden ebenfalls in Papierform ausgehändigt, bevor sie im Internet veröffentlicht werden. Wir versuchen Euch morgen eine Zusammenfassung über den aktuellen Stand zu geben. Quentin und Lars arbeiten sich in der Nacht noch durch die hunderten von Seiten und briefen uns und euch dann morgen.

Innerhalb von YOUNGO wird sehr viel über googlegroups kommuniziert. Jede Arbeitsgruppe hat eine Mailingliste, eine allgemeine Liste gibt es auch. In intensiven Planungsphasen kommen Emails im Viertelstundentakt über diese Liste.

Die offiziellen Gremien

Der Vorstizende des SBI Robert Owen-Jones, früher australischer Pfadfinder

Der Vorstizende des SBI Robert Owen-Jones, früher australischer Pfadfinder

Gesprochen wird natürlich auch sehr viel. Meine Lieblingssätze der ersten Woche: „The designated delegate of XX has indicated that he/she wants to have the floor. Delegate, you have the floor.” Das bedeutet, ein Land möchte seine Stellungnahme abgeben. Diese müssen vorher über eine Kontaktperson angemeldet werden, um auf die Rednerliste zu gelangen. Nachdem diese abgearbeitet ist, sind natürlich auch „spontane“ Meldunge möglich, aber das bedeutet meist, dass eine Vertragspartei nicht gut vorbereitet war.

Viele technischen Details sind für den Außenstehenden auch langatmig bis zu langweilig. Wenn zu Beispiel die Delegierte von Kolumbien eine Eingabe macht, die sich wie folgt anhört: „On behalf of Columbia I would like to suggest that on page 25, paragraph 2, 2nd sentence the 7th word of the proposed text of the Chair that the word „the“ will be replaced by the word “a”. This suggestion is supported by: Albania, Algeria, Angola, Antigua and Barbuda, … (ca. 75 Staaten ausgelassen) …, Venezuela, Vietnam and Zambia.“ Kann es sich doch schon einmal etwas in die Länge ziehen an so einer Sitzung teilzuhaben.

Wie die Kommunikation in den „informal working groups“ läuft, können wir leider nicht berichten, da diese nicht für Beobachterorganisationen offen sind.

Immer wieder gibt es aber die Möglichkeit, vor und nach den Sitzungen (manchmal auch währenddessen), mit Delegierten zu sprechen. Einige Delegationen laden die Beobachterorganisationen sogar zu regelmäßigen Austauschtreffen ein. Die deutsche Delegation tut das leider nicht, soweit wir wissen.

Wir werden in den nächsten Tagen versuchen, näher an diese dran zu kommen.

Interview

Lars ist ja auch schon ein Medienstar inklusive einem live Interview beim englischen Al Jazeera Kanal. Auch Kaddi wurde interviewt – vom eigenen Fernsehkanal des UN-Klimasekretariats. Während der sehr trubeligen Mittagszeit tauchte plötzlich ein Redakteur des Teams vor unserem Stand auf und fragte nach einem oder einer Interviewpartner/in. Da gerade alle in Gesprächen oder unterwegs waren, musste Kaddi mit. Ein 3minütiges Interview über unsere Inhalte und unsere Aktivitäten auf der COP17 war das Ergebnis. So ganz unvorbereitet war das ganz schön aufregend!

Action

Die Kolleginnen von WAGGGS bei einer Ihrer Aktionen während der SBI-Sitzung

Die Kolleginnen von WAGGGS bei einer Ihrer Aktionen während der SBI-Sitzung

Viele Aktionen werden von den NGOs und insbesondere von den Jugendorganisationen durchgeführt um das Aufmerksamkeit der „Pink Badges“ (Offizielle Delegierte von Vertragsstaaten) und der „Green Badges“ (Presse) zu erregen und die Messages an den Mann oder die Frau zu bringen. Für die YOUNGO-Leute steht ein Art-Center in Durban zur Verfügung um Kostüme, Plakate, Requisiten, Flyer, etc. herzustellen. Lars verbrachte den Morgen damit für die Wasseraktionen T-Shirt zu bedrucken und Plakate zu malen. Es ist erstaunlich wie viel Professionalität und Engagement die überwiegend sehr jungen Delegierten an den Tag legen.