Reflektionen zu CO² Ausstoß und der Klimakonferenz

Die Klimakonferenz laeuft auf ihren Hoehepunkt hin und gleichzeitig scheint das Ergebnis schon fast festzustehen: auch dieses Jahr scheint es nicht zu einem verbindlichen Abkommen  und damit einer Verlaengerung des Kyoto Protokolls zu kommen.

„Was bringen denn diese Verhandlungen dann?“, mag sich der eine oder die andere fragen. Und vor  allem – und diese Frage finde ich sehr wichtig – was bringt es, dass die Pfadfinder vor Ort sind? Ist es das Wert 20 000 kg CO2 fuer die Fluege rauszublasen? Und auch sonst hatten wir ja Kosten. Zum Glueck werden die vom KJP gefoerdert und nur ein kleiner Teil aus Eigenmitteln der DPSG. Dazu hat uns uebrigens eine Anfrage per email erreicht und da kann ich euch beruhigen: fuer die Teilnahme der DPSG an der Klimakonferenz werden keine Jahresaktionsgelder ausgegeben. Das waehre auch nicht in Ordnung, denn dafuer haben wir das Geld ja nicht gesammelt.

Ist unsere Anwesenheit hier die 20 000 kg CO2 wert? Dazu ein paar Gedanken:

Natuerlich ist es ein Problem 20 000 kg CO2 zu emitieren fuer eine Konferenz bei der nichts rauskommt. Aber dafuer sind wir ja auch hier: um uns dafuer einzusetzen, dass es ein verbindliches Abkommen gibt. Klar kann man sich dann fragen, ob es sich lohnt, soviel CO² rauszublasen, um „das Klima zu retten“ und ob denn diese kleine DPSG Delegation einen Unterschied macht. Ehrlich gesagt – keine Ahnung. Wir haben kleine Erfolge: wir haben eine Rede gehalten, wir haben zwei Dokumente mit Argumenten geschrieben und verteilt, und wir haben mit vielen Leuten gesprochen. Natürlich kann man nicht messen welchen Effekt wir haben. Und noch weniger kann man das in CO² Äquivalenten aufrechnen. Aber wahrscheinlich ist es schon wichtig, dass die Zivilgesellschaft bei solchen Konferenzen vor Ort ist, denn sonst wuerde vielleicht wirklich noch weniger (oder noch mehr Quatsch) rauskommen.

Advertisements

Verhandlungs-Update

Hallo zusammen, wir haben zu Eurer Information gestern Nacht einen kurzen Überblick über die Verhandlungen zusammengestellt, damit ihr ganz grob wisst, wie es um die Kernanliegen auf der COP17 so steht. Natürlich würde es den Charakter dieses Blogs sprengen, wenn wir alles ausführlich besprechen würden und alle Details zu allen thematischen Arbeitsgruppen hier vorstellen. Aber wie immer könnt ihr uns gerne Emails schicken oder die Beträge kommentieren. Wir versuchen Euch dann Antworten zu geben.

Alle Informationen sind tagesaktuell, wenn nicht sogar stundenaktuell, alles bewegt sich diese Woche in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit. SBI und SBSTA sind fertig mit der Arbeit also konzentrieren wir uns auf die beiden wesentlichen Dokumente: KP und LCA.

Das Kyoto-Protokoll (KP):

Es wird erwartet, dass sich die Staaten zu einem 2. Anwendungszeitraum des KP verpflichten und Emissionsreduktionen von 2013 bis 2018 vereinbaren. Problematisch sind hier derzeit Kanada, Japan, Russland und einige andere. Aus der EU bekommt man verschieden Nachrichten, auf der einen Seite hat sie ihre Unterstützung für das KP mitgeteilt, aber einzelne Staaten senden auch andere Signale aus. Was immer auch mit dem KP passiert wird wohl nur in Verbindung mit dem langfristigen LCA geschehen.

Viele Staaten mit Verpflichtungen aus dem KP wollen nicht auf eine 2. Verpflichtungsperiode einlassen, wenn es keinen klaren Plan für die Verpflichtung anderer großer Emittenten gibt. Hier hängt es von Brasilien, Indien, China und Südafrika ab, je mehr diese Staaten bereit sind, sich zur einer Senkung der Emissionen in die Zukunft zu verpflichten, desto wahrscheinlicher ist es, dass die andere Staaten im KP bleiben.

Die nächste Klimakonvention (LCA):

Am Samstag wurde das bereits gestern erwähnte umfangreiche Dokument (dass so genannte „CRP37“). Es zeigt alles, was in den kleineren Gruppen diskutiert wurde. Der Text ist sehr stark im Fluss, da er auch bisher viel viel zu lang ist. Bisher fehlt jedoch eine gemeinsame Vision. Die Variationen wofür welche Staaten stehen und welche Ziel- und Prinzipien sie vertreten sind sehr groß und sehr widersprüchlich. Im Finanzierungsbereich machen wir Fortschritte und es bewegt sich etwas, dabei wird wohl der Bericht des Ausschusses über die Gestaltung eines Green Climate Fund (GCF) nicht noch einmal geöffnet (man nennt es „öffen“ wenn die Staaten nicht mit dem Inhalt eines Berichts einverstanden sind und deshalb noch einmal am Dokument selber gearbeitet wird). Trotz vieler noch offener Diskussionen wir es voraussichtlich ein „Entscheidung Dokument“ geben, welches an den Bericht angehängt wird in dem nicht alle offenen Fragen beantwortet werden. Zum Beispiel sind die USA und einige lateinamerikanische Länder nicht glücklich mit der Rolle, wie der Bericht die Teilhabe des privaten Sektors am GCF beschreibt. Es gibt auch viele Diskussionen darüber, wie der GCF langfristig mit Geld gefüllt werden soll. Jedoch rechnet hier in Durban keiner mit einer Vereinbarung über die langfristiger Finanzierung, aber es werden schon Grundsteine für Katar 2012 gelegt. Das positive an dem Prozess hier ist, dass noch vieles problemlos andiskutiert werden kann und ein „thinking out of the box“ möglich ist, wie eine langfristige Finanzierung des Klimaschutzes möglich ist.

COP

Heute beginnt auch die eigentliche COP (das Forum für die Minister). Spannend wurde es bereits, da Indien bereits in den Vorverhandlungen zusätzliche umstritten Tagesordnungspunkte auf die Agenda gehoben hat. Eines mit Bezug auf Schutz am geistigen Eigentum (z.B. Patente), und über ein gleiches Recht auf nachhaltige Entwicklung.

Morgen (Mittwoch) wird ein interessanter Tag. Ein neuer LCA-Entwurf wird veröffentlicht und wir erwarten, mehr politische Ankündigungen über die Zukunft des Kyoto-Protokolls. Es wird also spannend in Durban…

Tag 8: Der Anfang der Zielgeraden

Arbeitsgruppe im Café

Heute am 8. Tag der COP17 hat das Highlevel Segment begonnen Wie schon bei facebook beschrieben: Es ist voll geworden auf der Weltklimakonferenz. Die Woche des Highlevel Segments hat begonnen und noch mehr Delegierte sind angereist – jetzt geht es um die sprichwörtliche Wurst! Lars hat heute für die Delegation die Entwurfsdokumente des SBI (65 Seiten), SBSTA (79 Seiten) und LCA (144 Seiten) aufbereitet und sie wesentlichen Punkte vorgestellt, die am Ende der letzten Woche das Ergebnis der Verhandlungen in den verschiedenen Gremien zusammen fassen.

Das dickste Dokument war der Bericht der Ad-hoc-Working-Group on Longterm-Committment-Agreement (LCA). Das Gute ist: zwei unserer drei Ziele (intergenerationelle Gerechtigkeit, ein rechtlich verbindliches und global faires Abkommen) sind in dem Dokument an prominenter Stelle vertreten. Das Schlechte: dieser Entwurf wird in den nächsten Tagen noch massiv reduziert (von jetzt etwa 144 Seiten auf vermutlich 30). Zudem sind viele Entscheidungen noch nicht getroffen, sondern es werden noch verschiedenen Alternativen angeboten über die noch abgestimmt werden muss. So liest sich beispielsweise der 12. Absatz auf Seite 8 folgend:

12. Parties [should collectively reduce][share the goal of achieving a reduction of] global greenhouse gas emissions by [at least ][50][85] per cent [from 1990 levels] by 2050 (to be updated based on the 2013.2015 review of the global goal);

Daran kann man sehen, dass noch nicht entscheiden worden ist, ob es sich um ein hartes (“should”) oder ein weiches (“share the goal”) Dokument handelt wird, sowie ob es mindestens 50 % oder 85 % sein werden und zu welchem Referenzwert.

Magdalena im Special event des SBI-Vorsitzenden

Im Bericht des Subsidiary Body on Implementation (SBI) werden die Themen „Wasser“ und „Capacity Building“ ausführlich und im Sinne unserer aktiven YOUNGO-AG-Mitglieder aufgeführt. Die wichtigste Frage in diesem Gremium ist allerdings immer noch: Was wird aus dem Kyoto-Protokoll? Offiziell sagen die meisten Delegationen, dass sie sich natürlich für eine 2. Periode des Kyoto-Protokoll einsetzen. Eine Vielzahl an Äußerungen lässt aber darauf schließen, dass sie mit einem großen „ABER“ argumentieren. Russland wurde beispielsweise heute für den „Fossil of the Day“-Award nominiert, weil sie – obgleich sie einer 2. Verpflichtungsperiode nicht zustimmen wollen – ihre Verschmutzungsrechte aus der ersten in eine zweite Periode herüber retten wollen. Kanada hat ohnehin schon vorher in mehreren Verlautbarungen deutlich gemacht, dass sie eigentlich kein 2. Kyotoprotokoll möchten. Die EU hat sich heute in einer Pressekonferenz stark positioniert – aber: die Frage, inwieweit sich China einem völkerrechtlich verbindlichen Abkommen anschließt, müsse noch eingehend untersucht werden.

Klimafinanzierung

Unter dem Mandat der Forderung für ein “globally fair” Abschlussdokument unterstützt Lars seit heute auch die Finanzarbeitsgruppe von YOUNGOs. Dabei scheint die Hauptforderung der Einrichtung eines Green Climate Funds (GCF) bereits in greifbarer Nähe, da sich viele Staaten bereits dieses Model zu Eigen gemacht haben. Fraglich ist die genaue Ausgestaltung und Verwaltung und natürlich wie wir den Funds mit Geldmitteln auffüllen wollen. Angedacht sind dabei Maßnahmen, wie den Schiff- und Flugverkehr mit den Emissionshandel einzubeziehen und die Einführung einer Micro-Finanztransaktionssteuer (FTT), die jede Transaktion mit einer Steuer von 0,01 bis 0,05% belegt. Dadurch könnten Milliarden eingenommen werden und auch Finanzkrisen schneller eingedämmt werden. Für die Einsatz für die FTT werden die Staaten mit dem Robin Hood Preis ausgezeichnet. Heute wurde Bangladesh für seinen Einsatz für die FTT geehrt.

Eco Training Camp

SASA-Ecocamp: Spiele, Wissen und "einfach mal was Anderes"

Während die „Innendelegation“ sich durch Dokumente frisst, arbeiten vier Leute als „Außendelegation“ im Eco Training Camp täglich mit etwa 70 Kindern. Dieses findet vormittags auf dem Gelände des „Provincial Head Quarter“, etwa ähnlich unseren Diözesanbüros statt. Dani, Mitglied der Jahresaktionsgruppe 2011 und nun weltwärts-Freiwillige in Mpumalanga, leitet täglich einen Workshop über unsere gemeinsame Jahresaktion „Our World – Our Challenge“ und Pfadfinden in Deutschland. Sie spielt typische Gruppenstundenspiele („Komm mit – Lauf weg“, Knotenmutter usw) und beantwortet dann zum Schluss unzählige Fragen, wie „Wie könnt ihr Gruppenstunde machen, ohne vorher das Banner zu hissen?“ Da Gruppenstunden hier in Südafrika ganz anders ablaufen (vgl. mittendrin 3/2011), gibt es hier viel Stoff für interkulturellen Austausch.

Trommelkurs - Dani scheint es schon ganz gut raus zu haben!

Nachmittags geht es an den Strand. Aber natürlich nicht zum Schwimmen! Dort stellen ganz viele NGOs ihre Projekte aus. Greenpeace hat ein großes solarbetriebenes Zelt, in dem Filme gezeigt werden und BesucherInnen sich über erneuerbare Energien informieren können. Aber dort gibt es auch Kulturprogramm und Sportangebote. Die WorkshopleiterInnen entscheiden jeden Tag recht spontan, was sie mit den Kindern machen.
Die Kinder sind jeweils PfadifnderInnen, deren Stamm an eine Schulde angegliedert ist. Sie kommen aus benachteiligten Gebieten in der Durbanregion.

Morgen wir die heute begonnene Aktion „Find the German Delegation“ weitergeführt. Wir werden es noch schaffen wirklich Kontakt mit unseren VerhandlerInnenn aufzunehmen.

So, ein langer Tag geht zu Ende – gute Nacht für heute!

Tag 7: Im Auge des Hurrikans

Der Sonntag ist da, und wir können Euch mal mit ein paar allgemeinen Informationen versorgen. Am Sonntag ruht das ICC nicht komplett, aber es finden keine Meetings der Ausschüsse oder Verhandlungsgruppen statt. Die High-Level Personen kommen langsam an. Viele Limosinen-Konvois, begleitet von Sirenen und Blaulicht, ziehen durch die Straßen von Durban. Man merkt, dass alle Delegierten und Beteiligten noch einmal Luft holen um in die entscheidende Phase einzutreten. Es kann etwas Schlaf nachgeholt, aufgestaute Emails abgearbeitet oder endlich einmal die Umgebung um das Konferenzgebäude erkundet werden. Menschen, von denen man dachte, sie sind in ihrem Anzug eingenäht sind in Zivil unterwegs. Es ist so ruhig man könnte meinen das gerade das Auge des Hurrikans über einen hinweg zieht.

 Reden und Lesen

Die Kommunikation auf einer Weltklimakonferenz ist wirklich sehr speziell. Neuigkeiten kommen natürlich per Email. Programmaktualisierungen werden in einer täglichen Broschüre veröffentlicht. Jeden Morgen marschiert dafür ein Mitglied unserer Delegation zum Dokumentationszentrum und holt für jeweils 2 Personen ein aktuelles Tagesprogramm.

Die Arbeitsergebnisse der Untergremien (SBI, SBSTA, AWG-LCA, AWG-KP) wurden ebenfalls in Papierform ausgehändigt, bevor sie im Internet veröffentlicht werden. Wir versuchen Euch morgen eine Zusammenfassung über den aktuellen Stand zu geben. Quentin und Lars arbeiten sich in der Nacht noch durch die hunderten von Seiten und briefen uns und euch dann morgen.

Innerhalb von YOUNGO wird sehr viel über googlegroups kommuniziert. Jede Arbeitsgruppe hat eine Mailingliste, eine allgemeine Liste gibt es auch. In intensiven Planungsphasen kommen Emails im Viertelstundentakt über diese Liste.

Die offiziellen Gremien

Der Vorstizende des SBI Robert Owen-Jones, früher australischer Pfadfinder

Der Vorstizende des SBI Robert Owen-Jones, früher australischer Pfadfinder

Gesprochen wird natürlich auch sehr viel. Meine Lieblingssätze der ersten Woche: „The designated delegate of XX has indicated that he/she wants to have the floor. Delegate, you have the floor.” Das bedeutet, ein Land möchte seine Stellungnahme abgeben. Diese müssen vorher über eine Kontaktperson angemeldet werden, um auf die Rednerliste zu gelangen. Nachdem diese abgearbeitet ist, sind natürlich auch „spontane“ Meldunge möglich, aber das bedeutet meist, dass eine Vertragspartei nicht gut vorbereitet war.

Viele technischen Details sind für den Außenstehenden auch langatmig bis zu langweilig. Wenn zu Beispiel die Delegierte von Kolumbien eine Eingabe macht, die sich wie folgt anhört: „On behalf of Columbia I would like to suggest that on page 25, paragraph 2, 2nd sentence the 7th word of the proposed text of the Chair that the word „the“ will be replaced by the word “a”. This suggestion is supported by: Albania, Algeria, Angola, Antigua and Barbuda, … (ca. 75 Staaten ausgelassen) …, Venezuela, Vietnam and Zambia.“ Kann es sich doch schon einmal etwas in die Länge ziehen an so einer Sitzung teilzuhaben.

Wie die Kommunikation in den „informal working groups“ läuft, können wir leider nicht berichten, da diese nicht für Beobachterorganisationen offen sind.

Immer wieder gibt es aber die Möglichkeit, vor und nach den Sitzungen (manchmal auch währenddessen), mit Delegierten zu sprechen. Einige Delegationen laden die Beobachterorganisationen sogar zu regelmäßigen Austauschtreffen ein. Die deutsche Delegation tut das leider nicht, soweit wir wissen.

Wir werden in den nächsten Tagen versuchen, näher an diese dran zu kommen.

Interview

Lars ist ja auch schon ein Medienstar inklusive einem live Interview beim englischen Al Jazeera Kanal. Auch Kaddi wurde interviewt – vom eigenen Fernsehkanal des UN-Klimasekretariats. Während der sehr trubeligen Mittagszeit tauchte plötzlich ein Redakteur des Teams vor unserem Stand auf und fragte nach einem oder einer Interviewpartner/in. Da gerade alle in Gesprächen oder unterwegs waren, musste Kaddi mit. Ein 3minütiges Interview über unsere Inhalte und unsere Aktivitäten auf der COP17 war das Ergebnis. So ganz unvorbereitet war das ganz schön aufregend!

Action

Die Kolleginnen von WAGGGS bei einer Ihrer Aktionen während der SBI-Sitzung

Die Kolleginnen von WAGGGS bei einer Ihrer Aktionen während der SBI-Sitzung

Viele Aktionen werden von den NGOs und insbesondere von den Jugendorganisationen durchgeführt um das Aufmerksamkeit der „Pink Badges“ (Offizielle Delegierte von Vertragsstaaten) und der „Green Badges“ (Presse) zu erregen und die Messages an den Mann oder die Frau zu bringen. Für die YOUNGO-Leute steht ein Art-Center in Durban zur Verfügung um Kostüme, Plakate, Requisiten, Flyer, etc. herzustellen. Lars verbrachte den Morgen damit für die Wasseraktionen T-Shirt zu bedrucken und Plakate zu malen. Es ist erstaunlich wie viel Professionalität und Engagement die überwiegend sehr jungen Delegierten an den Tag legen.

Klimademo und Demokultur in Suedafrika

Heute ist globaler Klimaaktionstag und gleichzeitig der letzte Tag der ersten Woche und der Vorverhandlungen. Die Stimmung hier auf der Konferenz ist eher ruhig, man merkt auf allen Seiten eine grosse Erschoepfung, sogar eine gewisse Niedergeschlagenheit…  bis jetzt scheint es noch keinen Durchbruch bei den Verhandlungen gegeben zu haben, trotzdem betonen alle Verhandlungsparteien immer wieder ihre grosse Bereitschaft zu Einigung und auch die Wichtigkeit einer Verlaengerung der Kyoto Zusagen ist allen bewusst und wird immer wieder betont (unter anderem von uns – siehe unten).

Ausserhalb der Konferenz stellt sich die Lage anders dar. Die Menschen fangen an wuetend zu werden. Insbesondere unter den NGOs (das sind Organisationen der Zivilgesellschaft, die also weder mit der Regierung noch mit Firmen zu tun haben – wie die Pfadfinder z.B.) gibt es viele Menschen direkt aus Suedafrika oder anderen afrikanischen Laendern die sagen, dass bei ihnen schon Auswirkungen des Klimawandels spuerbar sind. Die Leute hier – so wie ja auch viele Menschen ueberall in der Welt wollen verbindliche Beschluesse sehen. Heute morgen war Magdalena auf der grossen Klimademo in Durban – es war sehr beeindruckend.  Seit der Ueberwindung der Apartheid gibt es in Suedafrika eine besondere Demonstrationskultur, die sehr machtvoll und gewaltig auftritt. Die Stimmung auf einer solchen Demo ist ganz anders als man es aus Deutschland kennt. Zuerst faengt es mit sehr emotionalen Reden an, die ohrenbetaeubend laut verstaerkt werden, die in der Rhetorik und im Tonfall sehr aggressiv sind. Ich habe eine enorme Wut wahrgenommen, die da transportiert wurde. Die Menschen sind wuetend ueber die Politker die zu keiner Einigung kommen und wollen dafuer kaempfen dass der Klimawandel gestoppt wird. Vor allem aber auch die Ungerechtigkeit, dass die Menschen unter dem Klimawandel leiden, die ihn nicht verursacht haben, macht die Menschen wuetend. Dann beginnen die Menschen zu stampfen und sich langsam hin und her wogend rhythmisch vorwaerts zu bewegen. Es gibt einen bestimmten Rhythmus dem alle folgen, so dass sich die Menge wie ein grosses Tier einheitlich mit diesem Stampfen vorwaerts bewegt. Das wirkt von aussen sehr bedrohlich und machtvoll. Als sich die Menge dann langsam vorwaerts bewegt und mehr und mehr Parolen in Zulu gerufen werden, bekomme ich das Gefuehl nicht mehr einschaetzen zu koennen was da alles herumgeschrien wird. Weil ich hier in der Stadt und in dieser Kultur fremd bin, weiss ich nicht was passiert wenn die Situation eskaliert, da ich die Stimmung als sehr aggressiv aufgeladen wahrnehme. Deshalb beschliesse ich an diesem Punkt die Demonstration zu verlassen, aber das war auf jeden Fall ein beeindruckendes Erlebnis zu sehen, wie stark und machtvoll eine entschlossen Menschenmenge sein kann!

MarionettenBlick vom Konferenzzentrum aus auf die Demo

Tag 5: YOUNGO Speech, Presskonferenz, Zwischenreflexion

Tag 5 der COP17 – auch dies wieder ein voller Tag. Aber es wurde auch spürbar, dass die 1. Woche zu Ende ist. Einige NGOs bleiben nur eine Woche, auch die jungen KollegInnen der WAGGGS-Delegation werden morgen ihre Koffer und Rucksäcke packen und den Heimweg antreten.

Pressekonferenz. Auf dem Podium: Linnea (Schweden), Quintin (Südafrika), Thusi (Südafrika) und Amos (WOSM Africa Region, Kenia)

Heute hatten wir daher noch unsere gemeinsame Pressekonferenz. Hier haben wir deutlich gemacht, was Pfadfinderinnen und Pfadfinder schon jetzt weltweit tun, um die Treibhausgasemissionen zu mindern. Und auch noch einmal unterstrichen, dass wir es als Aufgabe der Jugendorganisationen ernst nehmen, für intergenerationale Gerechtigkeit einzutreten.

Diesen Aspekt hat Quintin auch schon heute morgen bei der  so genannten „Intervention“, einer kurzen Ansprache der Ad-hoc-working-group für die Verlängerung des Kyoto-Protokolls angemerkt.

Neben den Vorbereitungen für den Weltozeantag und eine dazu gehörige Aktion der YOUNGO-Watergroup, für die sich Lars verantwortlich zeigt und dem Besuch von offiziellen Sitzungen und Side-events (Lena), galt es auch noch, die Zwischenreflexion vorzubereiten (Kaddi). Morgen wird uns nämlich das erste Delegationsmitglied, Jared (WOSM) verlassen.
Abends stand erneut eine Filmpremiere von Greenpeace auf dem Programm. Ein Teil der Delegation hat sich Räder gemietet. Leider konnten wir keine Bilder machen, denn: auf der linken Seite Rad fahren ist gar nicht so leicht! 😉

Auch morgen erwartet uns ein spannender Tag: ein weiterer globaler Klimaaktionstag (wir hatten ja schon einen im September) wird mit einer großen Demo begangen, die nachher in einer Party enden soll. Wir hoffen, dass alles gut geht!

Morgen mehr – Gute Nacht!